Wer nicht wählen darf, hat trotzdem eine politische Stimme
Am 20. September 2026 wurde in Berlin gewählt. Doch nicht alle Menschen, die hier leben, arbeiten und ihren Alltag verbringen, konnten ihre Stimme abgeben. Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit waren bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zur Bezirksverordnetenversammlung von der regulären Wahl ausgeschlossen.
Mit den Symbolwahlen Marzahn-Hellersdorf wollten wir diese Stimmen sichtbar machen.
Vom 5. bis zum 17. September konnten Menschen an sieben Standorten im Bezirk ihre symbolische Stimme für das Berliner Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf abgeben. Die Aktion wurde von „Marzahn-Hellersdorf demokratisch aktiv“ (Roter Baum Berlin e. V.) und der Koordinierungsstelle Demokratie Marzahn-Hellersdorf (pad gGmbH) initiiert und gemeinsam mit zahlreichen Einrichtungen und Projekten im Bezirk umgesetzt.
Die Symbolwahlen waren keine reguläre Wahl und hatten keine rechtliche Wirkung. Sie sollten aber eine Möglichkeit schaffen, politische Interessen auszudrücken und darüber ins Gespräch zu kommen, wer eigentlich mitentscheiden kann und welche Möglichkeiten demokratischer Beteiligung darüber hinaus bestehen.
Die Ergebnisse
Bei der Symbolwahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wurden insgesamt 70 Stimmen abgegeben:
| Partei | Stimmen |
|---|---|
| CDU | 9 |
| SPD | 18 |
| Bündnis 90/Die Grünen | 8 |
| Die Linke | 21 |
| AfD | 4 |
| FDP | 2 |
| Tierschutzpartei | 2 |
| Die PARTEI | 2 |
| DKP | 1 |
| SGP | 1 |
| BSW | 1 |
| Partei des Fortschritts (PdF) | 1 |

Bei der Symbolwahl zur Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf wurden 72 Stimmen abgegeben:
| Partei | Stimmen |
|---|---|
| CDU | 10 |
| SPD | 18 |
| Bündnis 90/Die Grünen | 9 |
| Die Linke | 26 |
| AfD | 4 |
| FDP | 2 |
| Tierschutzpartei | 2 |
| Freie Wähler | 1 |

Die Ergebnisse zeigen ausschließlich, wie sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Symbolwahlen entschieden haben. Sie sind nicht repräsentativ für Marzahn-Hellersdorf und lassen keine Rückschlüsse auf das Ergebnis der regulären Berliner Wahlen zu.
Wählen, diskutieren, mitmachen
Rund um die Symbolwahlen ging es um mehr als das Ausfüllen eines Stimmzettels. An den verschiedenen Standorten entstanden Gespräche über politische Themen, das Berliner Wahlsystem und die Frage, wie Menschen sich auch unabhängig vom Wahlrecht einbringen können.
Denn demokratische Beteiligung beginnt nicht erst an der Wahlurne. Menschen engagieren sich in Nachbarschaftsinitiativen, Vereinen und Projekten, bringen ihre Anliegen in Beteiligungsverfahren ein oder organisieren gemeinsam Veranstaltungen und Aktionen. Gerade für Menschen, die bei Wahlen nicht stimmberechtigt sind, können solche Möglichkeiten besonders wichtig sein.
Die Symbolwahlen wollten deshalb nicht nur auf den Ausschluss vom regulären Wahlrecht aufmerksam machen. Sie sollten auch zeigen, dass politische Teilhabe im Bezirk viele Gesichter hat.
Danke an alle, die mitgemacht haben
Dass die Symbolwahlen an verschiedenen Orten im Bezirk stattfinden konnten, war nur durch die Unterstützung zahlreicher Einrichtungen, Projekte und Initiativen möglich:
- BENNplus Wittenberger Straße
- Nachbarschaftsladen „Kiek in“
- Mobile Stadtteilarbeit Marzahn NordWest
- Tamaja Gemeinschaftsunterkunft Wittenberger Straße
- BENN Blumberger Damm
- Rosa – Interkultureller Frauentreff
- KOMPASS – Haus im Stadtteil, Klub 74 Nachbarschaftszentrum Hellersdorf e. V.
- Quartiersmanagement Hellersdorfer Promenade
- Mehrgenerationen- und Kinderhaus „Buntes Haus“, Roter Baum Berlin
- Die Promenade hält zusammen, Roter Baum Berlin
- Mobile Stadtteilarbeit „B.A.T. mobil“, Roter Baum Berlin
- BENNplus Raoul-Wallenberg-Straße
- DRK Kreisverband Berlin-Nordost e. V.
Vielen Dank an alle Einrichtungen und Engagierten, die Räume für die Symbolwahlen geschaffen, Gespräche ermöglicht und Menschen zur Beteiligung eingeladen haben. Und natürlich an alle, die ihre symbolische Stimme abgegeben haben.
Denn auch wenn eine Symbolwahl kein offizielles Wahlergebnis verändert, kann sie eines sichtbar machen: Demokratische Beteiligung ist mehr als ein Kreuz auf einem Stimmzettel.